 Schadstoffe in Abgasen könnten mit alternativen
Treibstoffen verringert werden. ,150,0,image_main (Foto:
AP)
| Die Belastung der Umwelt
durch das Auto wird schon seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten
diskutiert. Lärm, Flächenverbrauch durch den Straßenbau und vor allem die
Belastung der Luft durch den Schadstoffausstoß stehen immer wieder am
Pranger. Um die Gesundheitsschädigung durch Abgase zu verringern, werden
immer strengere Grenzwerte für den Ausstoß von Schadstoffen gefordert und
auch aufgestellt. Um diese Grenzwerte einzuhalten, wird viel an den
Motoren gebastelt und auch über den Einsatz alternativer Treibstoffe
diskutiert. Welche Bedeutung diese alternativen Treibstoffe, wie Erdgas
oder Biokraftstoffe, haben und in Zukunft haben werden, damit beschäftigte
sich in Hamburg eine Tagung von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden.
Internationale Verpflichtungen zum Abbau von Treibhausgasen
und die Endlichkeit der Erdölvorkommen - das sind nur zwei der Gründe,
warum das britische Unternehmen Energy Exchange zu dieser europaweiten
Konferenz eingeladen hatte. Rund 60 Vertreter von Treibstoffherstellern,
Automobilbauern und Energieerzeugern lauschten unter anderem dem Vortrag
von Iñigo Sabater. Sabater erläuterte für die EU-Kommission die Brüsseler
Pläne zum Ausbau alternativer Kraftstoffe. Dazu gehören für die EU
Biodiesel, Erdgas und Wasserstoff. Bis zum Jahr 2020 sollen diese ein
Fünftel des herkömmlichen Benzins und Diesels ersetzen. Ein
ehrgeiziges Ziel, meint der Londoner Unternehmensberater Alan Gelder. Um
es zu erreichen, müssten EU-Kommission, Mitgliedsstaaten und Industrie eng
zusammenarbeiten:
Das langfristige Ziel muss
sein, flächendeckend Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung zu
stellen. Auf dem Weg dorthin sind viele Zwischenschritte zu machen. Aus
unserer Sicht als Beobachter der Mineralölindustrie gibt es die
Alternativen, aber wir sehen keinen klaren Gewinner. Verschiedene
Kraftstoffe können unterschiedliche Nischen füllen.
So
könnte Alkohol aus Pflanzen die heutigen Benzin-Zusatzstoffe auf
Methanolbasis ersetzen. Eine solche Beimischung biologischer Anteile lasse
sich relativ schnell umsetzen, argumentiert Gelder:
Große Veränderungen sind schwer durchzusetzen, weil die
Folgen immens wären. Die beste Perspektive für Biokraftstoffe liegt im
Ersatz von Anteilen existierender Treibstoffe. Das gilt für Bio-Alkohol im
Benzin und Bio-Diesel im normalen Diesel. Das sollte man
fördern.
Ein großes Problem sei, dass sich
Autohersteller und Kraftstoffproduzenten gegenseitig belauern. Die
Autobauer sagen, sie könnten keine neuen Motoren entwickeln, weil das
Angebot an alternativen Treibstoffen nicht ausreiche und umgekehrt. Diesen
Teufelskreis will die Europäische Union nun mit ihren im letzten Jahr
beschlossenen Verordnungen über Biokraftstoffe durchbrechen. Die
Mitgliedsstaaten müssen nun noch in diesem Sommer erklären, wie sie den
Bio-Anteil steigern wollen. Ziel sind zwei Prozent im EU-Durchschnitt bis
Ende kommenden Jahres. Eine wichtige Rolle spielt dabei Bio-Diesel aus
Rapsöl. Bisher hat er nur einen Marktanteil von unter einem halben
Prozent, berichtet Raffaelo Garofalo von der Vereinigung der europäischen
Biodiesel-Produzenten:
Deutschland ist führend
bei Produktion und Vermarktung von Biodiesel. Und das wird noch zunehmen,
denn neue Vorschriften erlauben in Deutschland jetzt die Beimischung von
Biodiesel. Bisher durfte der nur pur eingesetzt werden. Jetzt dürfen
normalem Diesel bis zu fünf Prozent beigemischt werden.
Busunternehmen oder Speditionen dürfen ihrem Diesel demnach sogar
noch erheblich mehr Bioanteile beimischen. Schon jetzt liegt der Anteil
von Biodiesel nach Angaben des Bundesumweltministeriums in Deutschland bei
knapp einem Prozent. Wenn die Europäer allerdings weiter wie in den
letzten Jahren jedes Jahr 30 Prozent mehr Biodiesel erzeugen wollen, dann
müssen die Bauern deutlich mehr Ölsaaten wie Raps anbauen, betont
Garofalo:
Biodiesel darf nicht nur als
zusätzliches Ventil gesehen werden, wenn es ein Überangebot an Pflanzenöl
gibt. Die Politik sollte die Biodiesel-Industrie sehen als konstanten und
wachsenden Verbraucher von Pflanzenöl. Da ist die Agrarpolitik
gefragt.
Die bisherigen Fördergelder von 45 Euro pro Hektar
seien zwar gut, lobt Garofalo. Sie reichten aber nicht aus - zumal die
gemeinsame europäische Agrarpolitik nicht für die neuen EU-Mitglieder
gelte. Deshalb könne es schon bald zu Engpässen bei den Rohstoffen für
Biodiesel kommen.
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